Letzte Abfahrt

Wie kam es zu diesem Unfall? Passiert ist der Sturz mit dem Mountainbike auf der letzten Abfahrt, beinahe am Ende des Trails, auf einem einfachen Stück. Keine technische Herausforderung, nur noch lockeres Trailsurfen.

Die eine Sekunde in der mir das Talent ausging

Ein gerades Stück, ein übersichtlicher Trail, ein Stein. Den Silvretta Loop sind wir in den zwei Wochen Urlaub bestimmt schon 4 mal gefahren. Ich kannte die Stelle. Trotzdem passierte der Unfall mit dem Mountainbike innerhalb einer Sekunde. Ein Ereignis, das an diesem Tag schwere Folgen hatte.

Die Unfallstelle
Zwei Wege: links um den Stein herum oder rechts über den Stein drüber

Der Stein

Der Unfall mit dem Mountainbike passierte plötzlich und unerwartet:

Zwei Lines: links vorbei oder rechts drüber.

Der Stein oben im Bild umfährt man idealerweise links oder fährt rechts darüber. Eine schlechte Wahl wäre durch die Mitte. Und genau das war meine ungewollte Linienwahl. Ich wollte den Stein rechts überfahren, wie ich es Tage zuvor auch schon gemacht habe. Ich fuhr den Stein an, wollte ihn rechts überspringen. In diesem Moment war es bereits zu spät. Ich fuhr über den Stein, zu weit links. Die Gabel federte ein und das Vorderrad rollte noch problemlos darüber. Dann kam das Hinterrad, berührte dein Stein, das Bike poppte hinten hoch und meine Körpergewicht drückte mich nach vorne.

Der Sturz mit dem Mountainbike

Mein Oberkörper richtete sich nach vorne und drückte auf den Lenker. Dieser lenkte ein und das Vorderrad rutschte weg und verkantete sich sogleich wieder. Ich flog über den Lenker und der Sturz mit dem Mountainbike war unausweichlich.

Auf der linken Seite des Trails befand sich ein Abhang. Ich fiel seitlich, als ich den Boden das erste mal berührte, rollte ich mich unbewusst ab. Mein alter Zugführer aus dem Militär hätte seine helle Freude an der vorbildlichen Kampfrolle gehabt 🙂

Beim zweiten Purzelbaum schlug ich mit meinem Kopf auf einen harten Gegenstand, wohl ein Stein gewesen. Ich hörte und spürte den Schlag. Es gab einen lauten Knall am Helm. Daran kann ich mich genau erinnern.

Beim dritten Überschlag noch einmal. Ein Knall und der Helm schlug hart auf. In diesem Moment wurde mir kurz schwummrig, verlor jedoch nicht das Bewusstsein, war voll da.

Noch eine weitere Rolle, bis ich zum Stillstand kam. Ich lag da, richtete mich auf. Sogleich spürte ich einen starken Schmerz im rechten Fuss. Ich krümmte mich vor Schmerzen, brauchte ein paar Sekunden um wieder durchatmen zu können.

Die Spur die das Vorderrad machte, war noch sehr gut ersichtlich.

Die erste Hilfe

Markus eilte sogleich zu mir und fragte ob mir was passiert sei. Ich wusste es noch nicht, spürte lediglich den Schmerz im Fuss. Markus holte mein Bike, das ein paar Meter weiter oben lag. Meine erste Frage war: „Geht es dem Bike gut?“. Es schien äusserlich keinen Schaden genommen zu haben.

Das Adrenalin

Ich zitterte, mein Puls war hoch und meine Blutbahn vollgepumpt mit mit Adrenalin. Das Gefühl kann ich nicht beschreiben, war im Überlebensmodus. Ich versuchte aufzustehen, konnte meinen rechten Fuss aber nicht belasten und setzte mich wieder hin. „Ich brauche noch eine Minute“, sagte ich zu Markus.

Zurück auf den Trail

Ich lag Mitten in einem Abhang. Unten ein unüberwindbarer Bach, dahinter die Kiesstrasse die ins Tal zurück führte, Oben der Trail. Doch dazwischen waren rund 20 Meter Aufstieg, den steilen Abhang hoch. Ich stand auf, belastete den rechten Fuss, der schmerzte. Ich versuchte einen Schritt zu machen und hielt hielt mich am Bike fest, stosste es den Abhang hinauf. Mit jedem Schritt liess der Schmerz ein wenig nach. Doch als der Abhang steiler wurde und ich meinen Fuss schräg stellen musste um halt zu finden, durchzog mich erneut ein starker Schmerz.

Markus nahm mir mein Bike ab und trug es zurück auf den Trail. Ich kletterte in der Zwischenzeit auf allen Vieren den Abhang hoch, zurück auf den Trail.

Aus eigener Kraft zurück

Ich nahm mein Bike, setzte mich auf den Sattel und fuhr los. Es war nur noch ein kurzes Trailstück bis zur Kiesstrasse zurück. Ich versuchte auf dem Bike aufzustehen, konnte aber nicht. Langsam und vorsichtig rollte ich den Trail im Sitzen hinunter.

Wir rollten auf dem Kiesweg zurück bis zur Signalbahn, zurück zu unseren Autos. Ich zögerte den Bikeschuh auszuziehen, merkte wie der Fuss im Schuh anschwoll. Den Fuss musste ich mir aber genauer ansehen.

Erstdiagnose

Ich zog meine Schuhe und Socken aus, und untersuchte meinen rechten Fuss. Der Fuss war leicht geschwollen aber keine blaue Flecken. Ich konnte ihn bewegen, konnte stehen und mit leichten Schmerzen auch gehen. Ich zog meine Knieschoner und mein Bikeshirt aus, um die anderen Stellen die schmerzten zu untersuchen. Keine weiteren sichtbaren Verletzungen. Helm, Knieschoner und Protektorenrucksack haben ihren Job getan.

Der Lazer Impala Helm hatte ordentlich was abbekommen und wird ausgetauscht.

Nichts Schlimmes

Ich konnte mein Fuss bewegen und ich konnte laufen. Also vermutete ich nichts Schlimmes nach dem Mountainbike Sturz. Einfach eine leichte Verletzung und nahm an, schon bald wieder aufs Bike zu können. Wir humpelten zum Bikeshop, tranken noch etwa und gönnten uns sogar noch ein Eis.

Das Bike hat es doch erwischt

Wegen den Schmerzen hatte ich natürlich nicht in die Pedale treten können und habe das Bike einfach den Berg runterrollen lassen. Auf dem Parkplatz bemerkte ich dann das erste mal, dass etwas an meinem Bold Unplugged nicht rund lief. Mein erster Gedanke war, dass das Schaltwerk es ebenfalls erwischte. Die Schaltvorgänge funktionierten jedoch einwandfrei. Doch die Kurbel lief unrund. Markus stellte mein Bike auf den Kopf und wir sahen das Ausmass der Zerstörung.

Beim Tretlager war der Carbonrahmen des Bold Unplugged gesplittert und gebrochen. Das Tretlager war schief und eierte. Das Bike musste einen harten Schlag auf den Rahmen oder die Kurbel bekommen haben. Definitiv ein Totalschaden des Rahmens.

Der Rahmen des Bold Unplugged Volume 1 ist gerissen. Ein neuer Rahmen muss her.

Nach Hause

Da ich nichts Schlimmes vermutete und sogar laufen konnte, suchte ich in Sankt Moritz keinen Arzt auf, sondern wollte den nächsten Morgen abwarten. Also entschieden wir uns, nach Hause zu fahren. Ab hier trennten sich die Wege von Markus und mir.

Bei der Heimfahrt merkte ich langsam wie mein Fuss zu pulsieren begann. Schmerzen hatte ich fast keine. Lediglich dieses unangenehme Gefühl eines angeschwollenen Fusses. Ich drehte die Klimaanlage auf um den Fuss während der Fahrt zu kühlen.

Pinkelpause

Ich musste mal pinkeln und hatte Hunger. Bei der Raststätte Heidiland legte ich eine Pause ein und wollte auf die Toilette. Ich stieg aus dem Auto und konnte keinen einzige Schritt laufen. Den rechten Fuss konnte ich nicht belasten ohne starke Schmerzen auszulösen. Also setzte ich mich zwangsweise wieder ins Auto und fuhr weiter.

Daheim

Zuhause angekommen kämpfte ich mich mit einem Bein auf die Toilette. Ich parkte mein Auto nah an der Wand, stütze mich zwischen Wand und Auto und humpelte so Richtung Eingangstür. In diesem Moment wurde mir bewusst, am nächsten Tag definitiv einen Arzt aufzusuchen.

Am Anfang dachte ich es sei nicht weiter Schlimmer und hab die Schwellung gekühlt und den Fuss hochgelagert.

Die besten Nachbarn

Kaum war ich daheim angekommen und hatte mich in die Wohnung gekämpft, klingelte es an der Haustür. Vor der Tür stand mein Nachbar, in der Hand zwei Krücken. Ich könne diese wohl gebrauchen, meinte er. Ein Segen, wenn man so tolle Nachbarn hat.

Ein Dank

Besonderen Dank geht an Markus, der mir nach dem Sturz mit dem Mountainbike unter die Arme griff und auch nachträglich noch das eint oder andere für mich erledigte.

Beim Arzt

Am nächsten Tag ging ich sofort zum Arzt. Was da alles mit mir gemacht wurde und was die Diagnose war, gibt es im nächsten Teil: „Verletzt: Diagnose Knochenbruch“, welcher in den nächsten Tagen veröffentlicht wird.

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