Rider of the month

Jeden Monat werden eine leidenschaftliche Mountainbikerin oder ein leidenschaftlicher Mountainbiker vorgestellt. Sie erzählen uns ihre Geschichte rund ums Fahrrad. Ich freue mich, euch jeden Monat eine wichtige Persönlichkeit für unseren Mountainbike Sport vorzustellen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass Sie viel für unseren Sport tun, sei es als Profi, als Bike Guide, als Tourismusexperte oder als ganz normaler Biker. Alle diese grossartigen Persönlichkeiten haben es verdient vorgestellt werden. Vielen Dank für euer Engagement.

Hansueli Spitznagel im Interview

Diesen Monat beantwortet die Mountainbiker und Fotograf Hansueli Spitznagel meine Fragen. Ich kannte Hansueli anfänglich von Instagram. Später hatte ich ihn, beim Fotoshooting für das Rothorn Biwak persönlich kennengelernt. Hansueli Spitznagel kann enorm gut Mountainbike fahren und ist ein versierter Bike Schrauber. Ich freue mich, euch diese wichtige Persönlichkeit vorzustellen. Vielen Dank Hansueli für dein Engagement.

Wer bist du?

In erster Linie bin ich Mountainbiker. Geboren und aufgewachsen in Steffisburg neben Thun, bald vierzig Jahre alt und getauft auf den Namen; Hansueli Spitznagel.

Nun wohne ich in Aarau, hier gibt es viele gute Trails in steinigem und wurzelversetztem Terrain. Als Biker mache ich alles Mögliche an allen möglichen Orten, was mit dem Zweirad in Verbindung steht. Ich habe mit Leidenschaft an diversen Wettkämpfen teilgenommen wie Cross Country, 4X, Dual Slalom, Downhill oder Enduro. Habe zudem auch Trainings geleitet als J+S Leiter oder Touren geführt als Guide. Mit derselben Passion, habe ich für Velosolutions Strecken gebaut.

Das Fahrrad begleitete mich auch auf einigen abenteuerlichen Reisen und Expeditionen. Mit gut 20 Jahren fuhr ich alleine durch einen Teil Ostafrikas. In den letzten Jahren habe ich den Iran und auch Papua Neuguinea mit dem Mountainbike und meiner Kamera bereist. So konnte ich unvergessliche Touren und Geschichten mit der Kamera festhalten. Man sieht die Welt auf andere Weise, wenn man nicht als Pauschaltourist unterwegs ist.

Ich arbeite als Velomechaniker im Veloservice Aarau, ein modernes Fahrradgeschäft mit definitiv dem besten Kaffee weit und breit. Fahrradmechaniker, ist doch der beste Job überhaupt! Ich mache Kundeninnen und Kunden glücklich und leiste indirekt einen Beitrag dazu die Umweltverschmutzung gering zu halten. Fahrräder sind für mich das effizienteste Fortbewegungsmittel. Ich finde, Menschen sehen auf Fahrrädern besser und glücklicher aus.

Hansueli Spitznagel - rider of the month
Hansueli Spitznagel – rider of the month – Foto von Samuel Willimann.

Wie bist du zum Mountainbiken gekommen?

Etwa 1994 habe ich angefangen zu biken. Zuvor habe ich mich hauptsächlich als Läufer und Rennradfahrer bewegt. Im Dorf gab es einen sehr aktiven Bikeclub mit engagierten Mitgliedern. So kam es, dass ich irgendwann mit einem ausgeliehenen Bike beim Biketreff dabei war und es gefiel mir enorm da mitzufahren. Bereits seit 25 Jahren bin ich also im Bike-Sattel. Ich weiss manchmal gar nicht, ob ich mich fahrtechnisch noch verbessere oder ob es nur die Bikes sind, die immer besser werden. Aus heutiger Sicht kann man sagen, wir bezahlten früher echt viel Geld für richtig miese Bikes. Mein erstes Bike war ein Wheeler Cross Country Hardtail mit Marzocchi XC500 und natürlich einer lausigen Felgenbremse.

Ich hatte von Anfang an mehr Spass an den technischen Herausforderungen im Gelände als meine Form auf dem Rennrad zu trimmen.

Früher hiess Biken auch immer viel Schrauben, das heutige Material ist zuverlässiger und langlebiger geworden. Bikes für meine Bedürfnisse gab es damals gar nicht erst. Ein Trailbike war damals ein Cross Country Bike mit 110mm Vorbau und einer Streckbank-Geometrie. Eine zu kleine Rahmengrösse und eine Federgabel mit mehr Federweg schafften bisschen Abhilfe. Für die jenseits teuren Fullys fehlte uns damals das Geld und so sind wir etwa auch Hardtails mit Doppelbrückengabel gefahren. Eine Freeride Bike war damals halb so gut bergab wie ein heutiges Endurobike und berghoch kaum zu fahren. Es hat sich echt was getan mit den Bikes, zudem wurde biken zum Breitensport. Mir gefällt diese Entwicklung.

Hansueli Spitznagel - rider of the month
Hansueli Spitznagel zu seinern Anfangszeit auf dem Mountainbike – Foto von Werner Friedli.

Was bedeutet für dich Mountainbiken?

Es ist mein Leben.

Hansueli Spitznagel - rider of the month
Ein Mountainbiker in allen Lebenslagen – Foto von Uwe Trummer.

Wie sieht dein Fuhrpark aus?

Ich habe gelernt, weniger ist mehr. Weniger Bikes, dafür in bestem Zustand.

Für den Endurospass ein Giant Reign 1.5

Wenn es auf den Pumptrack geht ein Saracen Amplitude AL

Und für die Stadt das Genesis Bridge Smithfield

Ein E-bike kommt vermutlich bald noch dazu, denn es ist eine riesige Erleichterung, wenn man die schwere Fotoausrüstung auf den Berg transportieren muss, und ja, es macht auch jede Menge Spass sonst damit rumzufahren.

Hansueli Spitznagel - rider of the month
Hansueli Spitznagel mit seinem aktuellen Giant Reign 1.5 – Foto von Samuel Willimann.

Auf welchen Trails trifft man dich an?

Ich mag es gerne, von zu Hause aus loszufahren und eine Runde biken zu gehen. Nach wie vor faszinieren mich jedoch alle Facetten dieses Sports. Vom Skatepark bis Downhill, Crosscountry bis Trial, Mehrtagestouren bis Pumptrack.

Ich fahre viele Trails in der Region Aarau. Abends noch schnell auf die Gisliflue, den Homberg, den Böhler, den Born oder Richtung Chestenberg und mehr. Ab und zu bin ich aber auf hochalpinen Trails unterwegs wie beispielsweise in Davos, der Lenzerheide, in Verbier, in Grindelwald etc. Ich mag technische verblockte Trails genau wie Trails mit Flow.

Hansueli Spitznagel ist bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit auf den Trails anzutreffen.

Was war dein grösstes Abenteuer?

Fahrrad fahren heisst, Abenteuer erleben.

Das kann schon auf dem Weg zur Arbeit sein, du fährst beim schönsten Morgenlicht durch die Landschaft, kannst die Tiere beobachten, verschiedene Gerüche wahrnehmen, den Wind und das Wetter spüren.

Die Fahrrad-Reise alleine durch Tansania werde ich nie vergessen. Das war meine erste Reise auf einem anderen Kontinent, noch dazu mit dem Fahrrad und mit Linksverkehr und wilden Tieren. Unvergessen bleibt das fahren in der Morgendämmerung, als plötzlich wilde Giraffen meinen Weg kreuzten. Auf dieser Reise habe ich viele interessante Menschen kennen gelernt und sprach auch bald paar Sätze Swahili. Natürlich hatte ich auch jede Menge Pannen und fand es sehr interessant wie und mit welch einfachen Mitteln diese jeweils behoben wurden.

Hansueli bereits auch gerne die Welt mit dem Fahrrad. – Foto von Sandro Schmid

Was war deine grösste Herausforderung?

Das Leben bot mir einige grosse Herausforderungen, grösser als jene auf dem Bike. Vermutlich aber genau deshalb, habe ich für mich die Erkenntnis, wie wichtig und richtig biken ist. Ich bin überzeugt davon, dass Biken Menschen helfen kann in nicht so schönen Momenten des Lebens, weiter zu machen und sie möglicherweise auch davon abhalten kann etwas Unvernünftiges zu tun.

Das Leben hält grössere Herausforderungen bereit, als das Mountainbike. – Foto von Samuel Willimann

Wie gehst du mit dem Thema Angst um?

Wenn ich Angst habe, fahre ich die Passage nicht oder lasse den Sprung aus. Ich bleibe meist in der Komfortzone. Ausser der Faktor Speed kommt dazu. Dann kann es auch schon mal brenzlig werden.

Ich habe aber den Ehrgeiz, immer besser zu werden und stelle mich auch gerne neuen Herausforderungen. Spüre es jedoch, ab wann die Nummer zu gross ist für mich.

„Wenn ich Angst habe, fahre ich die Passage nicht oder lasse den Sprung aus.“ – Foto von Tommy Poltera

Hast du dich schon einmal verletzt?

Einige Knochenbrüche und ein bis zwei Platzwunden waren dabei, Ich habe bisher jedoch immer viel Glück gehabt. Musste noch nie operiert werden.

Was tust du noch ausser Mountainbiken?

Ich bin hauptsächlich mit Fahrrädern beschäftigt. Sei es bei meinem Beruf oder in meiner Freizeit. Das ist meine Wahl und ich bin sehr glücklich so. Es bringt mich in die Natur und verbindet mich mit tollen Menschen.

Hansueli hat eigentlich den ganzen Tag mit Fahrrädern zu tun. – Foto von Samuel Willimann

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Einen Pumptrack in Aarau wäre ein Projekt, dem ich mehr Bedeutung schenken möchte. Der Stellenwert von Fahrrädern in der Verkehrspolitik und in der Gesellschaft muss sich und wird sich noch ändern.

Weniger Verpackung, weniger geplante Obsoleszenz.

Wichtig ist, dass ich selbst was ändere, mir das nicht nur so wünsche.

Foto von Thomas Dietze

Was möchtest du anderen Bikerinnen und Bikern noch sagen?

Sucht euch einen Job als Fahrradmechaniker/In! Die Passion und den Beruf verbinden zu können ist unbezahlbar.

Mehr von Hansueli Spitznagel

Mehr von Hansueli Spitznagel gibt es auf seiner Webseite.

Ich freue mich einmal mit Hansueli die Trails rund um Aarau zu shredden. Bestimmt kann der erfahrene Biker mir noch viel beibringen. Ausserdem würde ich mich freuen, mit ihm wieder einmal bei einem Fotoshooting zusammenzuarbeiten. Vielen Dank für deine ausführlichen Antworten und viel Erfolg beim Wunsch nach einem Pumptrack in Aarau.

Foto Credits

Alle Fotos wurden von Hansueli Spitznagel zur Verfügung gestellt. Die Fotos dürfen ohne seine Einwilligung nicht kopiert oder weiterverwendet werden.

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