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Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung

Schlimmer als jedes körperliche Wehwehchen oder all die negativen Bemerkungen über mein Gewicht, war die Einsamkeit, das Alleinsein, die fehlende Partnerin an meiner Seite, das fehlende Gefühl geliebt zu werden. Mitte Zwanziger begannen viele meiner Freunde zu heirateten und gründeten Familien, waren glücklich verliebt oder lernten gerade eine neue Liebe kennen. Ich sehnte mich ebenfalls nach diesem Glück, nach Liebe und Geborgenheit, nach einer Partnerin fürs Leben. Bestimmt auch um Bestätigung zu erhalten, um vielleicht Unterstützung zu bekommen und dazu zu gehören, wohin auch immer. Die Suche nach einer Frau gestaltete sich schwierig, da ich den Kontakt zu anderen Menschen meidete. Lernte ich eine nette Dame doch kennen, war ihr Interesse gleich null. Jedes Mal gab ich verständlicherweise meinem Aussehen und meinem Übergewicht die Schuld. Mein trauriges Gemüt heiterte ich mit Essen auf, Essen machte mich wieder glücklich, war aber für meine eigentliche Verzweiflung hauptverantwortlich. Ein Teufelskreis, aus dem ich keinen Ausweg fand.

Andere Kanäle um die verletzte Seele zu trösten

Scheu und zurückgezogen versuchte ich trotzdem, irgendwie soziale Kontakte zu knüpfen. Das Internet bot einen einfachen Weg, neue Leute kennenzulernen. Ich verbrachte viel Zeit auf den diversen Social Media Seiten, die im World Wide Web herumgeisterten und versuchte mein Glück irgendwie. Ich versank schnell in die neue virtuellen Welt und fand virtuelle Freunde. Der Einsamkeit konnte ich dadurch ein wenig entfliehen.  Die Zeit alleine schlug ich mit Games, Filmen oder TV Serien tot. Wenn ich nicht vor dem Computer hockte, sass ich vor dem Fernseher, stets dabei, etwas zu knabbern. Dabei leistete mir meine Katze Gesellschaft, ertrug mein Gejammer und war stets ein guter Zuhörer.

Übergewicht als Beziehungskiller

Mein Essverhalten und mein Übergewicht bestimmten mehrheitlich den Alltag und wurden zu einem Beziehungskiller. Ich war langweilig, lustlos und unglücklich. Wer will schon mit seinem Partner gelangweilt zu Hause rumsitzen? Trotz allem führte ich auch einige Beziehungen, die alle in die Brüche gingen. Einige bereits nach wenigen Wochen, einige hielten ein paar Monate. Die erneute Einsamkeit traf mich jedes Mal hart. Mit einer Freundin schien mir das Glück auf Erden sicher. Es wurde mir nach kurzer Zeit wieder entrissen und ich schlug wieder hart auf dem Boden der Realität auf. Wieder einsam, wieder traurig und wieder mit den eigenen Problemen konfrontiert. Meine Erwartungen und Hoffnungen, dass eine Freundin mir hilft, mein Gewichtsproblem anzupacken und zu meistern, wurden in einem Augenblick wieder zerstört. Ich versuchte die Verantwortung abzuschieben, meine Probleme jemandem abzuschieben und hoffte, dass andere Motivation, Ehrgeiz und Kampfgeist für mich zeigten und ich dadurch mit Leichtigkeit schlank werde. Der Plan funktionierte nie. Dass ich dabei nur versuchte, vor meinen Problemen zu fliehen, war mir nie bewusst. Dass ich damit Menschen schadete, welche ich liebte, genauso wenig. All die negativen Gefühle, Reaktionen und Gedanken waren bereits so tief verankert, dass mir mein Verhalten nie wirklich bewusst war.

Im nächsten Kapitel „Ablenkung als Weg sich besser zu fühlen“ beschreibe ich meine ständigen Versuche, mich von meinem Problemen abzulenken.


Marc Schürmann

Ich wurde 1983 geboren und wohne in Graubünden. Ich bin der Gründer von allmountain.ch und blogge über meine grösste Leidenschaft, dem Mountainbiken.

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