Ganz egal wo ich es sehe, es fasziniert und fesselt mich. Die Skitourengeher, die sich stetig im Zickzack den Berg hoch bewegen. Umgeben von unberührter Natur, im freien Gelände.

Meine Erfahrungen auf der ersten Skitour

Auf dem Oberalppass zwischen den Kantonen Uri und Graubünden bin ich öfters zum Skifahren. Dort habe ich sie oft gesehen, die Tourenskifahrer, die gerade ihre Felle anklebten. Später suchte ich sie immer wieder am Berg und folgte ihnen mit meinem Blick. Dabei dachte ich mir: Eine Skitour möchte ich auch Mal ausprobieren.

Es dauerte nun aber noch einige Jahre, bis ich es mich zu meiner ersten Skitour durchringen konnte. Ich traute mir das Skitourengehen einfach nicht zu, denn ich habe grossen Respekt davor, im freien Gelände den Naturgewalten ausgesetzt zu sein. Zudem sind Skitouren kostspielig und auch zeitaufwändig.

Schliesslich setzte ich mir das Ziel bis zum 30. Lebensjahr eine erste Skitour zu wagen. Wegen der Covid-19-Pandemie hatte ich diesen Winter genügend Freizeit und meldete mich für einen Skitouren Schnupperkurs an, gefolgt von einem viertägigen Einführungskurs. Du willst auch auf Skitour und bist Anfänger*in? Im Artikel «Skitouren für Anfänger» gebe ich ein paar Tipps, wie dir der Einstieg ins Skitourengehen gelingt.

Erster Tag des Skitouren Schnupperkurs

Es war Samstagmorgen, Ende Februar und eines dieser perfekten Frühlingswochenenden. Es war eigentlich viel zu warm für diese Jahreszeit, aber ich freute mich vor allem über den stahlblauen Himmel. Nach langer Anreise vom Aargau ins Prättigau lernte ich unseren Bergführer Dani von Bergpunkt und die anderen Teilnehmer*innen kennen. Michelle, Andrea und ich waren blutige Anfänger, Beat war zwangsmässig im Militär schon auf seiner ersten Skitour. Wegen der aktuellen Covid-19-Pandemie bezahlten wir einen Aufpreis, damit der Kurs auch mit nur vier Teilnehmenden durchgeführt wurde.

Einführung ins Skitourengehen

Nach einer kurzen Einführung zum Material marschierten wir zur Skipiste und klebten sogleich unsere Felle an die Tourenski. Diese Tourenskischuhe sind unfassbar bequem, im Vergleich zu normalen Skischuhen und auch die Tourenski sind viel leichter. Die Bindung und Schuhe waren auf Laufen eingestellt, somit konnte es losgehen. Wir liefen zuerst neben der Skipiste und später durch den Wald, das Gelände war noch nicht steil. Das Laufen ging erstaunlich einfach, denn die Felle halten auf dem Schnee und ich fühlte mich fit. Da hat sich doch das Online-Krafttraining als Vorbereitung gelohnt. Das dachte ich zumindest zum damaligen Zeitpunkt noch.

Erster Gipfel Chlei Chrüz

Wir machten so unsere ersten Skitouren Erfahrungen und fanden schnell unseren Laufrhythmus. Die Sonne brannte so stark, dass ich unterdessen im T-Shirt unterwegs war und gerne auf die langen Unterhosen verzichtet hätte. Wir bewegten uns in etwas schrägeres Gelände und ich genoss die Abgeschiedenheit. Das Tempo war gemütlich, sodass sich unter uns immer wieder kürzere Gespräche ergaben. Nach rund 680 Höhenmetern oder rund 4 Stunden Aufstieg erreichten wir das Chlei Chrüz. Es war ein tolles Gefühl, wenn der erste Gipfel erreicht war. Umso mehr, weil alles reibungslos ging, die Schuhe keine Druckstellen hatten und es mir wirklich gut gefiel.

Gemütlicher Aufstieg auf der ersten Skitour | © Melanie Meister
Gemütlicher Aufstieg auf der ersten Skitour | © Melanie Meister

Nach einer kurzen Verpflegungspause bereiteten wir uns auf die Abfahrt vor. Felle abziehen, Bindung und Schuhe umstellen, warm anziehen, Helm aufsetzen. Ab diesem Zeitpunkt wurde ich innerlich nervös, denn ich hatte kaum Erfahrung im Tiefschnee. Mit dem Snowboard war ich früher teils kurze Abschnitte im Tiefschnee unterwegs. Seit ich vor einigen Jahren aber wieder auf Ski gewechselt hatte, habe ich dies aus Vernunft unterlassen. Auf schwarzen Pisten fahre ich gut und sicher, trotzdem würde ich mich nicht als Profi oder besonders fortgeschritten bezeichnen.

Ankunft auf dem ersten Gipfel, Chlei Chrüz | © Melanie Meister
Ankunft auf dem ersten Gipfel, Chlei Chrüz | © Melanie Meister

Die Abfahrt | schlimmer als gedacht

Ohne grosse Einführung in diese Thematik fuhren wir noch auf der Kuppe in den ersten Steilhang. Sogleich fragten wir den Bergführer für Tipps und er meinte ja die kommen gleich. Ich fühlte mich wahnsinnig unsicher auf den Ski und verkrampfte mich. Gegenseitig versuchten wir uns Mut zu machen und die richtigen Fahrtechniken zu finden. Wir fuhren im Schattenhang und die oberste Schneeschicht war verhärtet, bereits oft befahren worden und mit meiner Skibrille konnte ich nicht gut sehen, weshalb ich diese auf den Helm setzte.

Mit dem Gesicht im Tiefschnee

Bereits im ersten steilen Hang verlor ich die Kontrolle, verlagerte das Gewicht auf eine Seite, fuhr kurze Zeit auf einem Ski und legte mich mit dem nackten Gesicht voran in den Tiefschnee. Uff, zum Glück nichts passiert, denn der Schnee ist ja grundsätzlich weich. Ich kämpfte mich wieder in den aufrechten Stand und zwang mich weiterzufahren. Auch Michelle nahm ein Tiefschneebad. Ich fuhr verkrampft und mit Rücklage und wurde so zum Passagier meiner Ski. Auch Andrea, die wie ich fand, eine gute Figur beim Fahren machte, hatte ihre Schwierigkeiten und klagte über die fehlende Kontrolle. Selbst in den flachen Teilen war es für mich schwierig die Richtung und das Tempo zu steuern.

Ich war ziemlich enttäuscht

Wir waren alle ziemlich enttäuscht und verunsichert. Unser Bergführer ermutigte uns und erklärte, dass die Schneebedingungen an diesem Tag schwierig seien. Er gab uns individuell Ratschläge zum Fahrstil. Im Nachhinein hätte es sicher geholfen, wenn ich die Schuhe noch enger gebunden hätte. Zudem wäre es einfacher gewesen, wenn der Rucksack nicht zu schwer wäret. Wie du den Rucksack für deine Skitour packst, erfährst du hier. Geniessen konnte ich diese Schwünge auf jeden Fall nicht und ich war froh, als wir uns der Skipiste näherten. Wir waren rund eine Stunde unterwegs und ich war auch erstaunt, wie viel Energie so eine Abfahrt braucht. Auf der Skipiste erhielt ich vom Bergführer noch weitere Tipps, damit ich weniger die Kontrolle über meine Skis verliere. Zurück in der Hütte war ich dennoch glücklich über den Tag und versuchte mich nicht zu sehr mit der Abfahrt zu beschäftigen. Am nächsten Tag wollte ich es noch einmal versuchen. Aber so unter uns, ich hatte Bammel davor.

Zweiter Tag des Skitouren Schnupperkurs

Neuer Tag, neues Glück aber nicht für alle. Andrea kämpfte mit einem älteren Muskelfaserriss und Michelle hatte starke Schmerzen in der Leistengegend. Beide mussten deshalb Forfait geben. Der Bergführer versicherte uns, dass wir an diesem Tag besseren Schnee haben werden, denn wir planten den sonnigen Südhang, als Abfahrt zu wählen.

Aufstieg zu den Eggberge

Zu Dritt bewegten wir uns gemütlich hinein ins Gafiertal und stiegen dann über die Hänge vom Jenazer Gafia hoch zum Säss. Je höher wir nun stiegen, desto schöner wurde die Aussicht. In den etwas steileren Hängen übten wir die berühmten Spitzkehren und später stiegen wir ein kurzes Stück mit den Harscheisen auf. Auch an diesem Tag war ich fit und zwischenzeitlich konnte ich meinen Kopf geradezu ausschalten, weil sich mein Körper bereits an die Bewegungen gewöhnt hatte. Plötzlich war der Gipfel in Sicht und kurze Zeit später genossen wir die phänomenale Aussicht. Der Vollständigkeit halber erwähne ich auch hier die Höhenmeter mit rund 780 und 4 Stunden Aufstiegszeit.

Aufstieg zu den Eggberge | © Melanie Meister
Aufstieg zu den Eggberge | © Melanie Meister

Abfahrt zum Zweiten

Ich versuchte mich auf die Übungen und Tipps vom Vortag zu konzentrieren. Die Schuhe hatte ich diesmal sehr eng angezogen. Nervös aber mit positivem Glauben stellte ich mich der Abfahrt. Das mag nun für Tiefschneeliebhaber komisch klingen, aber ich musste mich wirklich überwinden. Der Schnee war tatsächlich besser, wobei er wegen der starken Sonneneinstrahlung und den extremen Frühlingstemperaturen sehr nass und schwer war. Das machte es nur ein klein wenig besser für mich. Ich versuchte also alles anzuwenden und Schwung für Schwung zu nehmen. Ich ertappte mich jedoch, wie ich die Schwünge jeweils endlos hinauszögerte und nie den richtigen Zeitpunkt dafür fand. Nach jeweils fünf Schwüngen im schweren Schnee kämpfte ich mit sauren Muskeln und musste pausieren. Da hat wohl das Muskeltraining doch nicht so viel gebracht.

Der Bergführer war geduldig mit mir und Beat liess mich in der Mitte fahren und meinte, ich solle mir die Zeit nehmen, die ich brauche. Mein Kopf war blockiert und es half alles nichts. Ich schaffte es nicht, den Schalter umzulegen. Also zwang ich mich, genau den Spuren des Bergführers zu folgen und ihm Schwung für Schwung nachzumachen. Ich realisierte auch, dass der Schnee mit jeder Minute nasser und schwerer wurde.

Abfahrt die Zweite | © Melanie Meister
Abfahrt die Zweite | © Melanie Meister

Lawinenverschüttetenübung

Weit unten im Tal machten wir eine Pause. Der Bergführer machte einen Exkurs zur Lawinenrettung. Ganz rudimentär erklärte er uns die Eckpunkte einer Rettungsaktion und wie man mit LVS, Sonde und Schaufel umgeht. Wir hatten auch die Möglichkeit einer praktischen Übung. Damit man weiss was im Notfall zu tun ist, empfiehlt sich ein Kurs speziell nur für dieses Thema zu besuchen, denn es ist sehr umfangreich.

Fazit erste Skitour

Die Schnuppertour fand ich für mich gut als Einstieg. So konnte ich für mich herausfinden, was mir gefällt und wo meine Schwierigkeiten liegen. Obwohl die Abfahrten für mich nicht einfach waren und ich noch keinen Gefallen daran finden konnte, wusste ich, dass mir die Aufstiege enorm gefielen. Ich bin froh, dass ich mich zu diesem Zeitpunkt bereits für den viertägigen Einführungskurs angemeldet hatte. Das zwang mich vorwärts zu schauen. Für mich war aber auch klar, sollte ich es beim Einführungskurs nicht packen, dann werde ich dieses neue Hobby beerdigen. Aus diesem Schnupperkurs nahm ich für mich mit, dass, selbst wenn die Schneeverhältnisse schwierig sind, ich irgendwie den Weg ins Tal meistern kann. Dass die Abfahrten im Tiefschnee so viel Energie kosten, war mir vorher auch nicht bewusst und hätte ich so nie erwartet.

Der nun bevorstehende viertägige Einführungskurs wird also Entscheidungsträger für das künftige Hobby. Entweder kann ich es packen oder ich werfe die Flinte ins Korn und gebe auf. Im nächsten Blog kommt aus, wie es weiter geht.

Welche Schwierigkeiten hattest du?

Was denkst du, werde ich es packen mit dem Tiefschneefahren? Kennst du solche Herausforderungen? Welche Schwierigkeiten hattest du auf deiner ersten Skitour?

Melanie Meister

Ich wurde 1990 geboren und wohne im Aargau. Ich blogge auf allmountain.ch seit 2020 über meine Leidenschaft Wandern.

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