Schwere Tour

Der eigentliche Plan

Vergangener Samstag stand der Morgen nicht im Zeichen von Mountain Biking sondern von Haushalting. Mein ursprünglicher Plan war also, morgens zuerst die Wohnung auf Vordermann bringen und danach eine gemütliche Bike Tour zu machen. Ich liebäugelte schon lange einmal die die Fräkmüntegg, liebevoll auch Fräki genannt, zu erklimmen. Über die Trails am kleinen Ableger des Pilatus hatte ich schon so einiges gelesen und wollte nun selber mal die Trails ausprobieren. Da ich am morgen anderweitig beschäftigt war, sollte es am Nachmittag daher eine kleine Tour werden, betont auf sollte.

Viel Energie in den Beinen

Gleich bei der Talstation der Pilatusbahnen in Kriens waren genügend Parkplätze vorhanden und CHF 7.00 für einen ganzen Tag Parkieren ist äusserst günstig, für solche Verhältnisse. Kurz vor 14:00 startet ich meine kleine Runde, mit dem eigentlichen Ziel der Krienseregg. Eine vielleicht zwei oder knapp dreistündige Tour mit rund 700 Höhenmeter Aufstieg. Wie bereits erwähnt, das war der eigentliche Plan. Ich strampelte gemütlich die Asphaltstrasse hoch und bestaunte immer wieder die Gondelbahn, die über meinem Kopf an mir vorbeizog, Gondel für Gondel sauste an mir vorbei. Das Wetter an diesem Samstag war wolkig, die Temperaturen jedoch sommerlich warm und ich kam schnell ins Schwitzen. Schon früh kann man in der Ferne Kriens und die Stadt Luzern überblicken. Ich mag Touren bei dem mir beim Uphill bereits schöne Landschaftsbilder geboten werden.

Blick über Kriens und Luzern
Blick über Kriens und Luzern

Wen man nicht alles trifft

Der Weg schlängelt sich ziemlich lange auf der Teerstrasse Richtung Krienseregg, kaum befahren von Autos. An diesem Tag waren nur vereinzelt auch Biker unterwegs. Bei der Hochfahrt kam ich irgendwie mit einem älteren Herren ins Gespräch, wir redeten ein Weilchen miteinander und fuhren gemeinsam weiter den Berg hinauf. Dass ich nicht aus der Gegend bin, erwähnte ich nebenbei, und erzählte, dass ich die Krienseregg als heutiges Ziel ins Aug fasste. Ich hatte Startschwierigkeiten, doch meine Beine wurden nach etwa einer halben Stunde bedeutend besser. Wir fuhren weiter hoch und immer weiter, dass wir die Krienseregg bereits passiert hatten, war mir irgendwie entgangen. Die Strasse wechselte nun auf eine breite Kiesstrasse und die Fräkmüntegg war nur noch wenige Kilometer entfernt. Da ich mein eigentliches Ziel bereits schon durch hatte, setzte ich die Fräki einfach als Neues.

Es wird hart am Schluss

Kurz vor Ende kreuzte ich wieder die Gondelbahn der Pilatusbahnen und hier wurde der finale Anstieg richtig steil. Die letzten Meter forderten nochmals die Kraft in meinen Beinen, leider mochten sie den gesamten Anstieg nicht mehr bewältigen. Ich musste mich geschlagen geben und ein letztes steiles Stück mein Bike schieben. Danach ging es wieder wie gewohnt auf, anstatt neben dem Bike, weiter. Gerne würde ich solche steilen Abschnitte fototechnisch festhalten, doch auf den Bildern geht das eigentlich Gefälle verloren. Trails sehen auf Bildern jedesmal bedeutend einfacher aus als sie eigentlich sind. Auf den letzten Metern vor der Fränkmüntegg erhebt sich links und rechts ein Seilpark, auch etwas dass noch auf meiner To Do Liste steht. Es amüsierte mich, den Leuten beim Rumkraxeln zuzusehen während ich die letzen Meter hochfuhr.

Der Pilatus und seine Touristen

Auf der Fräkmüntegg genehmigte ich mir zuerst einmal ein überteuertes Sandwich und ein Rivella rot, plus ein Snickers fürs Gemüht. Schon beinahe wie einer der typischen Touristen die ich hier oben erblicken konnte. Viele Asiaten tummelten sich auf der Zwischenstation zum Pilatus und jeder trug ein Pilatus Cap. Was war das für ein klischeehaftes Bild. Panorama bot die Fräkmüntegg nicht sonderlich viel, die Sichtweite war wegen des Dunstes stark eingeschränkt und ich konnte nicht viel erkennen. Ich rastete nur kurz und bereitete mich für die Abfahrt vor. Auch hier änderte ich schon bald mein eigentlicher Plan.

Wurzeln und ich werden keine Freunde mehr

Ich hatte einige Artikel zum Wurzeltrail gelesen, manchmal als Wurzelhölle oder Wurzelparadies bezeichnet, für mich galt schon bald ersteres. Irgendwie mag ich wurzeln einfach nicht, da erkenne ich nur selten eine ideale fahrbare Linie. Und genau so erging es mir nach wenigen Metern auf diesem wurzligen Schüttelbecher. Ich war unsicher und konnte keine ideale Linie entdecken, war unkonzentriert und zu langsam. Mein Blick war zu wenig vorausschauend und ich kämpfte mich regelrecht die Wurzelpassage hinunter. Hier kam für mich keinen Spass auf und ich entschied mich einen anderen Weg hinunter zu suchen. Ich bog nach kurzer Zeit Rechts ab und fuhr neu Richtung Hergiswil und versuchte auf dieser Abfahrt mein Glück und Flow.

Single Trail auf der Fräkmüntegg
Die Wurzelhölle sieht auf dem Foto einfacher aus als sie ist

Neue Route und neuer Flow

Der Downhill Richtung Bergstation Alp Gschwänd war um einiges flowiger als der wurzlige und verblockte Trail vorhin. Der Trail beginnt auf einer groben Kiesstrasse und wechselt schnell in einen Rock Garden. Ein Steinfeld gespickt mit Steinen in allen grössen und formen. An diesem Tag waren diese mir einiges sympatischer als die Wurzeln. Ich bretterte durch das Steinfeld, welches einige knifflige und technisch anspruchsvolle Passagen beinhaltete. Der Puls jagte in die Höhe und ich hoffte, dass keiner der Steine einer meiner Reifen aufschlitzte. Hier war ich wieder einmal froh auf Tubeless umgestiegen zu sein, hatte für den Notfall aber doch noch einen Ersatzschlauch in den Rucksack gepackt.

Rock Garden auf der Fräkmüntegg
Rock Garden auf der Fräkmüntegg

Danach wurde es technisch einfacher. Der Trail änderte schlagartig seinen Charakter, er wurde schmaler und staubiger, der Untergrund nun erdig statt steinig. Mal flach, mal steil schlängelte sich der Trail hinunter Richtung Hergiswil. Die Spur zog sich durch Gradfelder immer tiefer. Plötzlich mündete der Weg auf einer asphaltierten Bergstrasse und mir wurde bewusst, dass sich der Trail nun nur noch als Wanderweg bis Hergiswil zog.

Single Trail auf der Fräkmüntegg
Single Trail auf der Fräkmünt

Ehrenrunde über den Loppertrail

Sichtlich enttäuscht entschied ich mich eine Ehrenrunde über den Rengpass einzulegen und den Loppetrail bis Stansstad in Angriff zu nehmen. Somit fuhr ich wenige Meter auf der Teerstrasse und bog Richtung Rengpass ab. Ich schulterte mein Bike und trug mein Bike das steile Stück bis zur Passhöhe hoch. Ab hier begann der bekannte Spass. In der Vergangenheit war ich schon ein paar mal auf dem Loppertrail und hatte jedesmal einen riesen Spass. Zu Beginn zog sich der Trail an der Krete entlang, ein ständiges Auf und Ab, dass den Puls nochmals hochschnellen liess und nochmals die Energiereserven anzapfte. Schon bald gings nur noch bergab, mit viel flow über Stock und Stein, gespickt mit vielen engen Kurven. Perfekt um die Kurventechnik zu verfeinern. Die vielen Serpentinen bieten den idealen Spielplatz dafür. Der Loppertrail spuckte mich auf der Strasse wieder aus, direkt am See. Man fährt quasi zum Wald hinaus und befindet sich nur eine Strassenbreite weg vom See.

Loppertrail
Blick vom Loppertrail auf den Alpnachersee

Gemütlich zurück nach Kriens

Ab hier führte der Rückweg gemächlich der Strasse entlang bis Hergiswil, immer direkt am See, und danach weiter bis zurück zum Start in Kriens. Die Rückfahrt erstreckt sich auf einigen Kilometern bis zur Talstation der Pilatusbahn und dauerte bestimmt nochmals rund 30 Minuten. Die zehn Kilometer beinhaltete jedoch kaum noch Höhenmeter und eignete sich super um die Beine ein wenig aufzulockern. Zurück beim Auto hatte ich in knapp 4 Stunden über 1200 Höhenmeter abgestrampelt und eine Distanz von 30 Kilometern zurückgelegt. Aus der kurzen Tour am Samstag Nachmittag wurde eine Rekordtour. Glaub zum ersten Mal hatte ich so viele Höhenmeter geschafft. Ich spürte meinen neuen Höhenmeter Rekord in den Beinen. Diese fühlten sich ausgepumpt und leer an. Ideale Voraussetzung für einen strengen Wandertag am Tag danach  🙄

Fazit

Alles in allem fand ich die Tour super. Sie bietet technisch und flowig viel. In Verbindung mit dem Loppertrail war sie wirklich gelungen und ich werde sie bestimmt einmal wiederholen. Ich weiss ja nun, dass es auch an einem Nachmittag möglich ist  😀 . Die Fräkmüntegg bietet bestimmt viele Varianten für die Abfahrt, hier wissen lokale Kenner sicherlich besser bescheid und man findet unzählige Varianten im Netz. Meine Variante hat mir am schluss wirklich gut gefallen. Die Tour beinhaltete gemütliche und knackige Aufstiege, flowige Downhills und technische Passagen, Wurzelfelder und Rock Gardens, sicherlich für alle etwas dabei.

GPS Track Kriens – Fräkmüntegg – Lopper

Marc Schürmann

Ich wurde 1983 geboren und wohne in Graubünden. Ich bin der Gründer von allmountain.ch und blogge über meine grösste Leidenschaft dem Mountainbiken.

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