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Wintersport wird immer beliebter und durch die Pandemie drängen noch mehr Sportler:innen in die Natur. Die unberührte Natur lockt uns in die abgelegensten Gebiete. Wie wirkt sich das auf die Wildtiere aus? Wildtiere erleben auch ohne menschliche Störungen bereits harte Winter am Limit. Mein Vater ist Jäger und er hat mir immer wieder die Wichtigkeit dieses Themas verdeutlicht. Respektiere die Natur und Wildtiere und kenne deine Grenzen. Nachfolgend gebe ich dir fünf Tipps, wie du dich korrekt in der verschneiten Winterlandschaft verhältst, damit du Wildtiere nicht unnötig unter Stress setzt.

1. Verstehe wie Wildtiere im Winter überleben

Wildtiere wie Gämsen, Rothirsche oder Schneehühner bleiben auch im Winter hier. Damit sie die langen und kalten Wintermonate gut überstehen, haben sie eindrückliche Methoden entwickelt. Dabei geht es immer darum, möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Kälte, Schnee, wenig Nahrung, aber was genau macht den Winter den so hart für die Tiere? Eine lange Kälteperiode lässt die Körpertemperatur sinken und bei einer Unterschreitung kann es zu einem Erfrierungstod kommen. Im Winter gibt es per se schon weniger Nahrung, die dann auch noch nährstoffarmer ist und sobald Schnee liegt, wird die Suche nach Futter noch schwieriger und energieraubender.

Gams im dunklen Kleid | Wildtiere im Winter
Gams im dunklen Kleid | © www.claudiogotsch.com

Überleben heisst im Winter für Wildtiere Energie sparen

Wer keinen Winterschlaf, Winterstarre oder Winterruhe hält, der muss ausharren und soviel Energie wie möglich sparen. Dabei hilft ein dickes Winterfell für eine optimale Isolierung. Das dichte Fell schützt die Wildtiere so gut vor der Kälte im Winter, dass sie sich richtig einschneien lassen und der Schnee auf dem Fell liegen bleibt und nicht wegschmilzt. Die Gämsen wechseln ihre Fellfarbe im Winter gar auf dunkel, denn so kann die Sonne den Körper schneller erwärmen. Im Herbst werden zudem Fett-Reserven angelegt, die als Isolation dienen und auch als Notreserve, falls die Nahrung spärlich wird. Eine weitere Energiesparmassnahme ist die Verkleinerung des Pansen-Volumens, d.h. der Magen verkleinert sich auf die verringerte Nahrungsmenge. Beim Reh beispielsweise um bis zu 30 Prozent.

Die wichtigste Strategie ist jedoch, den Energieverbrauch so gering wie möglich zu halten. Deshalb bewegen sich die Wildtiere im Winter kaum mehr und liegen einen grossen Teil der Zeit an geschützten Stellen.

Hirsch auf Nahrungssuche | Wildtiere im Winter
Hirsch auf Nahrungssuche | © www.claudiogotsch.com

Was fressen Wildtiere im Winter?

Wildtiere fressen leicht verdauliche Nahrung wie Gras, Beeren, Eicheln oder auch Waldfrüchte, auch im Winter. Zum Fressen suchen sie Stellen auf, die vom Wind oder Lawinen freigelegt sind. Das erspart das mühsame und anstrengende Ausscharren des Futters. Ist der Schnee gefroren, finden Wildtiere im Winter am Boden nur schwer etwas zu Fressen und dann knabbern sie nicht selten die Triebe und Knospen von Bäumen an.

Hilft es, wenn ich Wildtiere im Winter füttere?

Nein, ohne Fütterung geht es dem Wild und Wald besser. Die Tiere haben energiesparende Strategien entwickelt wie die Verkleinerung des Magenvolumens. Wenn du Wildtiere im Winter fütterst, werden diese aus ihrem Wintersparmodus gerissen, verbrauchen dadurch zu viel Energie und dies kann zu einer tödlichen Falle werden. Zudem werden an Futterplätzen die Jungbäume durch Verbiss stark beschädigt. Im Kanton Graubünden ist die Fütterung sogar gesetzlich verboten. Füttere also im Winter sowie im Sommer keine Wildtiere, sie finden ihr Fressen selbst.

Stress und Flucht können den Tod für Wildtiere bedeuten

Bei durchschnittlich -10 °C auf 2000 m ü.M. ist das oberste Gebot im Winter für Wildtiere: Energiesparen. Jede Störung, die Stress oder eine Flucht des Tieres verursacht, verbraucht sehr viel Energie. Eine flüchtende Gämse verbraucht bis zu zehnmal so viel Energie wie eine Stillstehende. Der Hirsch fällt bei extremer Kälte in eine Art Teil-Winterruhe. Dabei lässt er die Körpertemperatur bei den Extremitäten auf bis zu 15 °C abfallen, senkt den Puls und bewegt sich kaum mehr. Dabei lässt er sich auch einschneien. Werden die Wildtiere in einem solchen Zustand stark gestresst, ergreifen sie die Flucht. Das bedeutet einen enormen Energieverbrauch. Je tiefer der Schnee, desto mehr Energie wird benötigt bei der Flucht. Folgen davon können einen geringeren Fortpflanzungserfolg, Krankheiten oder gar den Tod durch Erschöpfung bedeuten.

Wildtiere im Winter
Rehe am Ruhen | © www.claudiogotsch.com

«Aber die Tiere gewöhnen sich doch an den Menschen?»

Ja, aber nur bedingt. Wenn Störungen häufig, konstant und gleichartig sind und ein Ausweichen möglich ist, gewöhnen sich die Tiere daran. Das ist bei markierten und viel begangenen Routen der Fall. Die Wildtiere ahnen eine mögliche Störung und reagieren bald nicht mehr mit Stress oder Flucht. Zu beobachten, wenn Gämsen dir von sicherer Warte aus beim Aufstieg zuschauen.

Es kann aber auch das Gegenteil auftreten. Bei der sogenannten Sensitivierung fühlen sich die Tiere bei jeder Störung stärker gestresst und flüchten auf immer grössere Distanz. Es kann gar dazu führen, dass sie den Standort oder das Gebiet ganz aufgeben. Die Wildtiere ziehen sich mehr und mehr zurück und der Mensch breitet sich mehr und mehr aus. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir Menschen uns an Regeln halten und Schutzgebiete respektieren.

2. Erkundige dich vorgängig über Schutzgebiete und deren Regeln

In der Schweiz gibt es mehrere Typen von Schutzgebieten. Schutzgebiete haben den Zweck, wildlebende Tiere und ihre Lebensräume zu schützen und zu fördern. Für ein Nebeneinander von Wildschutz und Bergsport sind die Beachtung der Schutzgebiete und rücksichtsvolles Verhalten wichtig. Dazu hat der Verein «Natur & Freizeit» mit seinen Mitgliedern und Unterstützung des Bundesamtes für Umwelt die Kampagne «Respektiere deine Grenzen» lanciert.

Wo finde ich die Karte mit den Schutzgebieten?

Bevor du also eine Tour planst, erkundige dich über diesen Link auf der Karte. Dort erkennst du sofort, ob deine Route durch ein Schutzgebiet führt. Sobald du das eingefärbte Gebiet anklickst, erhältst du mehr Informationen (siehe Abbildung). Im Beispiel erkennst du die violett eingefärbte Schneeschuhroute, die zwischen zwei Schutzgebieten verläuft. Das Gebiet rechts in Gelb ist eine Wildschutzzone und die Bestimmungen dazu werden ebenfalls direkt angezeigt. Es gilt ein Zutrittsverbot abseits der eingezeichneten Wege und Leinenpflicht. Hier gibt es noch zusätzliche Informationen zu den Daten, Offlinemodus der Karten sowie Legende zum Thema Schneesport.

Welche Regeln gelten in welchem Schutzgebiet?

Nationalpark

Verbote im Nationalpark
  • Die markierten Wanderwege sowie die mit Pfosten gekennzeichneten Rastplätze dürfen nicht verlassen werden
  • Kein Mitführen von Hunden, auch nicht an der Leine
  • Keine Wintersportarten (Ski- oder Schneeschuhtouren), Fahrräder oder Fluggeräte
  • Naturgegenstände wie Tiere, Pflanzen, Hölzer oder Steine dürfen nicht mitgenommen werden
  • Kein Baden in Seen und Bächen
  • Kein Feuer machen
  • Kein Übernachten, auch nicht in Fahrzeugen
  • Keinerlei Abfälle liegenlassen
  • Im Winter ist der Nationalpark geschlossen
  • Die Natur darf nicht verändert werden

Wildschutz- und Jagdbanngebiete

  • Tiere dürfen nicht gestört, vertrieben oder aus dem Banngebiet herausgelockt werden.
  • Hunde sind an der Leine zu führen.
  • Das freie Zelten und Campieren ist verboten.
  • Der Betrieb von zivilen, unbemannten Luftfahrzeugen (wie z. B. Drohnen) ist verboten.
  • Der Wintersport ausserhalb von markierten Pisten, Routen und Loipen ist verboten.
  • Die Jagd ist verboten.

Wildruhezone

  • Im Wald auf Wegen und bezeichneten Routen bleiben: So können sich Wildtiere an den Menschen gewöhnen.
  • Waldränder und schneefreie Flächen meiden: Sie sind die Lieblingsplätze der Wildtiere.
  • Hunde an der Leine führen, insbesondere im Wald: Wildtiere flüchten vor frei laufenden Hunden.

Naturschutzgebiet

In den Naturschutzzonen gibt es unterschiedliche Bestimmungen. Grüne Tafeln vor Ort mit dem Eulensignet und den Piktogrammen geben mehr Auskunft.

3. Richtiges Verhalten unterwegs

Mit dieser Abbildung der Trichterregel der Kampagne «Respektiere deine Grenzen» fällt es dir leichter, dich unterwegs korrekt zu verhalten. Oberhalb der Baumgrenze halten sich nur wenige Tiere auf, dort können wir uns relativ frei bewegen. Je näher wir bewaldetem Gebiet kommen, desto mehr schränken wir unseren Bewegungsraum ein. Waldränder und schneefreie Flächen sollten wir dagegen meiden. Das sind die Lieblingsplätze der Wildtiere. Sobald wir im Wald sind, bleiben wir auf den ausgewiesenen Routen.

Wir achten stets auf Markierungen wie Informationstafeln oder Wegweiser und befolgen die dort aufgeführten Regeln. Auf diese Weise ist es möglich, dass Mensch und Tier gemeinsam die zauberhafte Winterlandschaft geniessen können. Mit der Einhaltung dieser Punkte provozieren wir zudem keine weiteren Verbote und Einschränkungen.

Die Waldknigge

Wie du dich richtig im Wald verhältst, erfährst du in der Walknigge. Zehn einfache Verhaltenstipps, wie du dich bei deinem Waldbesuch benehmen solltest. Trag Sorge zur Natur.

MTB Trail Rules

Für Mountainbiker:innen gibt es ebenfalls Verhaltensregeln. Die MTB Trail Rules zeigen dir auf, wie du dich auf dem Trail verhalten solltest. Ob Mountainbiken in der Natur langfristig Schäden verursacht erfährst du hier.

4. Respektiere deine Grenzen

Winterwandern, Schneeschuhwandern und Skitouren werden immer beliebter. Der Lebensraum der Wildtiere im Winter ist gefährdet. Doch wir wollen eine unvergessliche Tour in der Einsamkeit der bezaubernden Winterlandschaft. Sind denn Verbote in dieser weiten Landschaft wirklich nötig? Es hat doch ausreichend Platz für alle. Ja, sie sind nötig, weil wir uns leider nicht korrekt verhalten. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Grenzen kennen und sie auch respektieren. Nur so können Wintersportler:innen und Wildtiere gemeinsam und ungestört die Natur geniessen. Es braucht ein Umdenken. Nicht nur in Schutzgebieten sollen wir uns an Regeln halten. Es braucht ein Umdenken jedes einzelnen Wintersportlers. Dazu müssen wir die Tierwelt verstehen, wissen, wo und wann sich Tiere aufhalten und wodurch sie sich bedroht fühlen.

5. Was tun, wenn du trotzdem ein Wildtier störst?

Wenn du Wildtiere im Winter auf deiner Tour erspähst, versuche, wenn möglich, auszuweichen. Ist dies nicht möglich, verhalte dich ruhig und gib ihnen Zeit sich zurückzuziehen.

Es kann vorkommen, dass sich ein Wildtier in wenig begangenen Gebieten in der Nähe des markierten Weges ein Liegeplatz ausgesucht hat. Wenn du das Tier erblickst, versuche ruhig und gleichmässig weiterzugehen und das Tier nicht weiter zu beachten. Bitte lass deine Kamera oder dein Smartphone in der Tasche verstaut. Das Tier ist womöglich gestresst und versucht die Gefahr abzuschätzen. Wenn es merkt, dass du es nicht beachtest, dann wird es hoffentlich nicht zu einer Flucht kommen und es kann so wichtige Energie sparen.


Melanie Meister

Melanie hat sich nach etwa mehr als einem Jahr bei allmountain.ch entschieden, einen neuen Weg einzuschlagen. Als ausgebildete Wanderleiterin konzentriert sie sich nun ganz auf ihr geliebtes Hobby – dem Wandern. Deshalb hat sie ihr eigenes Projekt melaniemeister.ch gestartet.

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